Der Begriff Hermaphrodit, der lange Zeit auf Biologielehrbücher und Kunstgeschichtswerke beschränkt war, taucht regelmäßig in den Nachrichten aus sehr unterschiedlichen Blickwinkeln auf: Veröffentlichung eines unveröffentlichten Textes von Michel Foucault, europäische Untersuchung zu den Lebensbedingungen intersexueller Personen, juristische Debatten rund um den Personenstand. Das Thema befindet sich an der Schnittstelle von Medizin, Recht und Geisteswissenschaften, was seine mediale Behandlung sowohl reichhaltig als auch fragmentiert macht.
Hermaphroditismus und Intersexualität: ein Wortwechsel, der den Rahmen verändert
Das Wort Hermaphrodit verweist auf den griechischen Mythos von Hermaphroditos, dem Sohn von Hermes und Aphrodite. Über Jahrhunderte hinweg bezeichnete es indistinkt verschiedene biologische Realitäten, von antiken Statuen bis hin zu medizinisch dokumentierten Fällen seit dem 18. Jahrhundert.
Seit den frühen 2000er Jahren hat sich der Begriff intersex in medizinischen und aktivistischen Kreisen durchgesetzt, um Personen zu beschreiben, deren sexuelle Merkmale (chromosomale, hormonelle, anatomische) nicht den binären Kategorien entsprechen. Dieser Wortwechsel ist nicht kosmetisch. Er spiegelt einen Perspektivwechsel wider: Man geht von anatomischer Neugier zu einer Anerkennung von Lebenswegen und Rechten über.
Das Werk von Magali Le Mens, Modernité hermaphrodite, das 2019 veröffentlicht wurde, zeichnet diesen Verlauf über fast zwei Jahrhunderte nach, vom Schönheitsideal Winckelmanns bis zu den nahezu systematischen chirurgischen Eingriffen, die im 20. Jahrhundert Neugeborenen auferlegt wurden. Beim Durchblättern der aktuellen Artikel über Hermaphrodit wird deutlich, wie sehr dieser terminologische Übergang mit konkreten rechtlichen und medizinischen Entwicklungen einhergeht.

Foucault und die Hermaphroditen: Ein unveröffentlichter Text belebt die intellektuelle Debatte
Im September 2025 kündigten die Editions Gallimard die Veröffentlichung eines unveröffentlichten Textes von Michel Foucault über Hermaphroditen an. Der Philosoph hatte das Thema bereits am Beispiel von Herculine Barbin behandelt, deren Memoiren er 1978 herausgab.
Dieser neue Text belebt eine alte Diskussion über die Art und Weise, wie das medizinische Wissen die sexuelle Norm konstruiert hat. Foucault analysierte die Mechanismen, durch die Institutionen Individuen mit ambiguem Körperbau ein eindeutiges Geschlecht zuwiesen.
Die Debatte bleibt in einem Punkt offen: Hilft die philosophische Lesart, die von Foucault stammt, den betroffenen Personen, oder trägt sie dazu bei, sie in einem Status als Studienobjekt zu halten? Die Rückmeldungen aus der Praxis variieren zu diesem Punkt, je nachdem, ob man sich auf die Seite der Forscher oder der Verbände intersexueller Personen stellt.
Europäische Untersuchung zu intersexuellen Personen: Was die Daten von 2025 offenbaren
Die Agentur der Grundrechte der Europäischen Union veröffentlichte 2025 den Bericht Being intersex in the EU, der aus der spezifischen Analyse der dritten europäischen LGBTIQ-Umfrage hervorgeht. Dieses Dokument beschränkt sich nicht auf die medizinische Definition der Intersexualität. Es umfasst mehrere konkrete Dimensionen:
- Die Diskriminierungen, die beim Zugang zu Beschäftigung, Wohnraum und öffentlichen Dienstleistungen erfahren werden, mit Zeugenaussagen aus allen Mitgliedsländern.
- Belästigung und Gewalt, insbesondere im schulischen Umfeld, wo junge intersexuelle Personen spezifische Erfahrungen von Ausgrenzung in Bezug auf ihren Zustand berichten.
- Der Zugang zu Gesundheitsdiensten, ein besonders sensibles Thema, da viele intersexuelle Personen von erlittenen medizinischen Wegen berichten, die sie nicht gewählt haben.
Diese Untersuchung stellt bis heute die umfassendste Datenbasis über die Lebensbedingungen intersexueller Personen in Europa dar. Die verfügbaren Daten erlauben noch keine Schlussfolgerungen über die Wirksamkeit der von einigen Mitgliedstaaten ergriffenen Maßnahmen, aber sie bilden eine faktische Grundlage, die im öffentlichen Diskurs fehlte.
Resolution des UN-Menschenrechtsrats
Die intersexuelle Frage ist nun auf der Agenda des Menschenrechtsrats der Vereinten Nationen verankert. Die Resolution 55/14 erkennt die Verletzungen an, die mit nicht notwendigen medizinischen Eingriffen an intersexuellen Kindern verbunden sind. Diese Resolution schafft keine verbindliche Verpflichtung, aber sie formalisiert einen internationalen Referenzrahmen, den die Verbände in ihren nationalen Plädoyers nutzen.

Französisches Recht und intersexueller Personenstand: eine noch unsichere Rechtsprechung
In Frankreich bleibt die Frage der Angabe des Geschlechts im Personenstand für intersexuelle Personen ein bewegliches juristisches Terrain, geprägt von Spannungen zwischen dem nationalen Recht und den europäischen Standards.
Das französische Recht erkennt nur zwei Geschlechtsangaben im Personenstand an. Mehrere europäische Länder haben eine dritte Option eingeführt oder die Möglichkeit, die Angabe leer zu lassen. Frankreich hat zu diesem Punkt noch keine Gesetzgebung erlassen, trotz wiederholter Empfehlungen internationaler Gremien.
Die praktischen Herausforderungen sind konkret:
- Eltern und Ärzte sehen sich einem administrativen Druck gegenüber, der chirurgische Frühentscheidungen beeinflussen kann.
- Die Anträge von intersexuellen Erwachsenen zur Änderung der Geschlechtsangabe im Personenstand stoßen auf langwierige Verfahren und eine heterogene Rechtsprechung je nach Gerichtsbarkeit.
Die Stimme der betroffenen Personen gewinnt allmählich an medialer Sichtbarkeit, was dazu beiträgt, die Debatte vom medizinischen Bereich in den Bereich der Grundrechte zu verlagern.
Aktuelle medizinische Empfehlungen: Auf dem Weg zu einer schrittweisen Entscheidungsfindung
Die medizinischen Praktiken entwickeln sich, wenn auch langsam. Die 2025 veröffentlichten japanischen Empfehlungen zu Störungen der sexuellen Entwicklung betonen die Beteiligung der Person an der Verständnis ihres Diagnoseschs und an den anschließenden therapeutischen Entscheidungen. Dieser Ansatz bricht mit dem historischen Modell, in dem die Medizin allein über die anzuwendende Behandlung entschied, oft bereits in der Neugeborenenphase.
Das Prinzip der Kontinuität der Versorgung steht dabei im Mittelpunkt: Statt eines einmaligen und irreversiblen chirurgischen Eingriffs empfehlen diese Richtlinien eine über die Zeit verteilte multidisziplinäre Nachsorge, die es dem Kind und später dem Jugendlichen ermöglicht, an den Entscheidungen, die ihn betreffen, teilzuhaben.
Das Thema Hermaphroditismus, egal ob aus der Perspektive der Philosophie, des Rechts oder der Medizin betrachtet, bleibt ein Bereich, in dem Gewissheiten rar sind. Die aktuellen Publikationen, sei es der Text von Foucault oder die europäische Untersuchung, liefern neues Material. Ihre Interpretation und Übersetzung in öffentliche Politiken stehen uns noch weitgehend bevor.



